Wien, 26. März 2020. Durch die Grenzschließungen zu den österreichischen Nachbarländern wird ein Engpass in der 24-Stunden-Pflege befürchtet. Die Reisebeschränkungen verhindern, dass BetreuerInnen aus osteuropäischen Ländern wie Slowakei und Rumänien nach Österreich gelangen können. BestCare 24 sieht den Bedarf für notwendige Veränderungen in der Betreuung, jedoch kann mit durchdachten Maßnahmen eine Pflegekrise verhindert werden.

Turnus verlängern

Von den rund 460.000 Menschen, die in Österreich Pfelgegeld beziehen, werden etwa 33.000 Personen mit einer 24-Stunden-Betreuung zu Hause gepflegt. Durch die Schließungen der Grenzen können Pflegekräfte nicht nach Österreich einreisen und somit nicht zu ihren KlientInnen zurückkehren. Um die Pflege für betreuungsbedürftige Personen dennoch zu gewährleisten, verlängert BestCare 24 den üblichen zwei- bis vierwöchigen Turnus der PersonenbetreuerInnen. Damit bleiben diese bei ihren österreichischen KlientInnen und ein Betreuungsengpass kann verhindert werden. Unabhängig von der Coronavirus-Krise ist in anderen Ländern generell ein längerer Betreuungszeitraum etabliert: „In der Schweiz, Deutschland und Italien verbringen BetreuerInnen einen Turnus von zwei bis drei Monaten bei den zu Pflegenden“, weiß Kerstin Marchner, Leiterin des BestCare 24-Netzes. Eine Umstellung des Turnus sei daher auch in Österreich durchaus machbar.

Information in der Landessprache

BestCare 24 ist sowohl mit den zu betreuenden Familien als auch mit den PersonenbetreuerInnen in laufenden Kontakt, um eine psychologische Stütze zu bieten. „Wir haben ein sprachlich breit aufgestelltes Team. So können wir mit den PersonenbetreuerInnen in der jeweiligen Landessprache kommunizieren, sie über die neuesten Ereignisse informieren und – das Wichtigste – sie in dieser Ausnahmesituation beruhigen“, so Marchner. Außerdem sind bei BestCare 24 diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) tätig, die telefonisch und im Notfall bei den KlientInnen vor Ort über Hygienemaßnahmen beraten.

Kein BetreuerInnen-Wechsel

Ein Wechsel der PersonenbetreuerInnen ist neben den nicht voraussehbaren Verhandlungen mit den Nachbarstaaten für BestCare 24 aber auch aus gesundheitlicher Sicht keine Option. „Aus medizinischer Perspektive sollte jeglicher Personentransfer, besonders in der 24-Stunden-Betreuung, möglichst gering sein. Wir betreuen die am stärksten gefährdete Risikogruppe. Zum Schutz der betreuten Familien, der PersonenbetreuerInnen und auch deren Familien ist ein Verbleib in Österreich am Sinnvollsten“, appeliert Marchner.

Staatliche Prämie statt Pflegeheime

Die Gespräche mit den PersonenbetreuerInnen laufen derzeit gut. Alle erhalten weiterhin ihr Honorar. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass viele auf freiwilliger Basis in Österreich sind: „Man darf nicht vergessen, dass diese Gruppe zu jenen gehört, die momentan unser System erhält“, erinnert Marchner. Eine staatliche Prämie wäre für die PersonenbetreuerInnen eine faire Vergütung, um das Fernbleiben von der eigenen Familie zu kompensieren. „Außerdem wäre es für den Steuerzahler am Ende die kostengünstigste Variante, die 24-Stunden-Betreuung zu erhalten statt auf Ersatzleistungen wie Heime zu setzen“, so Marchner über das Maßnahmenpaket der Regierung.