Welche Alternativen gibt es?

19. April, 2020. Die Unterbringung von Pensionisten und Pensionistinnen in Pflege- und Altersheimen stellt sich im Kampf gegen das Coronavirus international als problematisch heraus. Die Infektion und Todeszahlen sprechen für sich: Allein in Frankreich sind bislang ein Drittel der Verstorbenen auf Personen zurückzuführen, die in Pflege- und Altersheimen unterbracht waren. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Italien, Spanien und Belgien. Der Mangel an Personal sowie Schutzausrüstung und das bereits in Normalzustand chronisch überlastete System auch in vielen österreichischen Heimen führt auf lange Sicht zu der Frage, welche Lehre Österreich aus den Folgen der Pandemie ziehen kann.

In den letzten Wochen blickten Entscheidungsträger europäischer Länder besorgt auf den Verlauf der Pandemie in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien. Alle vier Ländern sehen sich mit hohen Zahlen an infizierten und Verstorbenen konfrontiert. Trotz Vorsichtsmaßnahmen soll es laut Berichterstattungen in vielen Einrichtungen zu einer Einschleppung des Coronavirus und einem darauf unkontrollierten Ausbruch gekommen sein. Es fehle an der Durchführung von Tests, beklagt der Großteil des medizinischen Personals. Die hohe Dunkelziffer an Infizierten auch unter dem Pflegepersonal sei eine erhebliche Gefahr für die betagte Bevölkerung.

Hoffnung auf Wirkstoff gebremst  

Die Erschließung eines wirksamen Impfstoffes gegen das Virus wird daher von vielen Staatsregierungen als die große Hoffnung gesehen, das Problem auf Dauer in den Griff zu kriegen. Nun gibt es aber auch zunehmend Stimmen, die vor einer zu großen Euphorie warnen, darunter Professor David Nabarro vom Londoner Imperial College, einer der führenden COVID-19 Experten und Sonderbeauftragter der WHO. Narborro zu folge sei die Entwicklung eines Impfstoffes keinesfalls garantiert. Zudem sind sich Experten sicher, dass die Corona-Krise nicht die letzte Pandemie sein wird, mit der wir als Gesellschaft konfrontiert sein werden. In absehbarer Zukunft und auch auf langer Sicht müssen daher Wege gefunden werden, wie vor allem Personen mit hohem Alter oder mit einem stark geschwächten Immunsystem geschützt werden können. Wie die Fälle in Italien & Co. zeigen, stellen sich Alters- und Pflegeheime aber eher als gefährliche Infektionsherde mit tödlichem Ausgang dar.

Zusätzlicher Stress für ältere Personen

Ein eher unbeachteter, aber dennoch zusätzlich negativer Effekt hätten die Unterbringung in Altersheimen auch in der Hinsicht, dass die Umstellung von einem vertrauten zu Hause in neue Räumlichkeiten erheblichen Stress für ältere Personen bedeutet. „Jeder von uns hat schon einen Umzug miterlebt. Das zerrt an den Reserven, selbst wenn man fit ist. Für ältere Menschen ist es umso belastender, da sie länger für die Umstellung auf eine neue Umgebung bräuchten.“, so DGKP Kerstin Marchner, Leiterin des BestCare 24 Netzes. Neben der ohnehin schon erhöhten Infektionsgefahr, die durch den vermehrten Personenverkehr in den Altersheimen zwangsläufig zustande kommt, steigt diese durch die Ausschüttung von Stresshormonen weiter an. Während für eine kurze Zeit Stress dem Immunsystem einen Schub geben kann, hat eine dauerhafte Anspannung den gegenteiligen Effekt.

Wichtige Rituale fallen weg

Zudem sei das Beibehalten von Ritualen nicht möglich. Dazu reichen oftmals die derzeitigen Ressourcen in den Pflegeeinrichtungen nicht aus. „Ritualen geben allen von uns während der Corona-Krise Halt. Wenn sich Situationen so rasch ändern, wie von einer Woche auf die andere Social Dinstancing einhalten zu müssen, dann sind es vor allem jahrelang aufgebaute Rituale, die den Tag strukturieren und jeden von uns Halt geben. Diese fallen für Menschen weg, die ihr zu Hause durch einen Heimplatz ersetzten sollen. Individualität wird in Zeiten von Krisen, wo Ressourcen eingespart werden, in Altersheimen kaum Platz haben.“

Alternativen schaffen durch die 24-Stunden-Betreuung

Alternativen gibt es wie die 24-Stunden-Betreuung.  Diese Form der Betreuung würde das Infektionsrisiko deutlich verringern, da sich die zu betreuenden Personen nur in ihren eigenen vier Wänden aufhielten. Würde eine Person sich infizieren, so bestehen hier nicht die Gefahr einer Ausbreitung auf andere Hochbetagte. „Die 24-Stunden-Betreuung hat aus medizinsicher wie auch psychischer Sicht erhebliche Vorteile in Vergleich zu einer Unterbringung im Pflege- und Betreuungseinrichtung. Diese liegen klar auf der Hand: Rituale können beibehalten, eine individuellere Betreuung gewährleistet werden, der Stress eines Umzugs würde gar nicht erst entstehen“, so Marchner.

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