Warum die Suche nach 24-Stunden-Betreuung oft zur Herausforderung wird


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Warum die Suche nach 24-Stunden-Betreuung oft zur Herausforderung wird

Zu Hause bleiben statt ins Pflegeheim: Diesen Wunsch haben viele ältere Menschen. Für ihre Angehörigen beginnt damit oft die Suche nach einer passenden 24-Stunden-Betreuung. Doch zwischen Preisvergleich, Qualitätsfragen und Zeitdruck fällt die Orientierung schwer. Eine Checkliste soll dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen.

Wenn Menschen – etwa nach einem Sturz oder einem Schlaganfall – nicht mehr alleine zurechtkommen, bleibt Angehörigen oft nur wenig Zeit, um eine Lösung zu finden. Wer sich im Internet über 24-Stunden-Betreuungsangebote informiert, stößt auf Dutzende Anbieter und einen unübersichtlichen Markt. In der Steiermark sind zahlreiche Vermittlungsagenturen tätig. Nur ein kleiner Teil davon verfügt über das freiwillige Qualitätszertifikat ÖQZ24, das auf Richtlinien des Sozialministeriums basiert. Eine Zertifizierung wird zwar empfohlen, jedoch nicht verbindlich vorgeschrieben. Einheitliche Qualitätsstandards für die 24-Stunden-Betreuung fehlen dementsprechend.

Für Silke Grundauer, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Qualitätsverantwortliche in der Steiermark für die Agentur BestCare24, ist das ein grundlegendes Problem. „Natürlich sollten eigentlich alle Agenturen diese Qualitätsstandards erfüllen, was leider noch nicht der Fall ist“, sagt sie. Ihr Wunsch ist eine österreichweit einheitliche Regelung.

Wo Qualitätsmängel spürbar werden

Qualitätsmängel können in vielerlei Hinsicht problematisch sein, wie Grundauer erklärt. Insbesondere Sprachbarrieren würden eine zentrale Herausforderung darstellen. Als Beispiel nennt Grundauer demente Personen. Gerade Demenz würde viel Ansprache brauchen. „Da hilft es mir nichts, wenn ich eine Betreuerin da habe, wenn die nicht mit mir redet.“ Kommunikation sei aber nicht nur für das Wohlbefinden wichtig. Im Notfall könne mangelnde Sprachkompetenz auch zum Sicherheitsproblem werden. „Wer kann Hilfe holen, wenn etwas passiert?“, wirft Grundauer die Frage in den Raum.

Zudem würden mangelnde Dokumentation, fehlende fachliche Begleitung oder fehlende 24-Stunden-Notfall-Hotlines Probleme aufwerfen. Zwar sieht das Sozialministerium verschiedene Maßnahmen zur Qualitätssicherung vor, darunter verpflichtende Hausbesuche durch diplomiertes Pflegepersonal. Dennoch ist die Qualität der Betreuung stark von den beteiligten Personen und Organisationen abhängig.

Angehörige sind oft auf sich alleine gestellt

Besonders belastend sei die Situation für Familien aber unmittelbar vor dem Start einer Betreuung. Das Entlassungsmanagement im Krankenhaus soll zwar unterstützen und mittels Liste einen Überblick bieten. „Die Angehörigen müssen sich dann aber eigentlich selbst darum kümmern, welche Agentur sie holen“, sagt Grundauer. Für viele sei es allerdings schwierig zu erkennen, worin sich Angebote tatsächlich unterscheiden.

„Oft weiß man gar nicht, welche Fragen man stellen soll“, sagt auch Bettina Löfler, Geschäftsführerin der Agentur BestCare24. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte das Unternehmen eine Checkliste für die Suche nach einer 24-Stunden-Betreuung. Sie soll nicht nur Kundinnen und Kunden der Agentur, sondern allen Betroffenen als Orientierungshilfe dienen. Die Liste enthält Fragen zu Zertifizierungen, Kosten, Notfall-Erreichbarkeit, Qualifikation der Betreuungskräfte und Unterstützung bei Förderanträgen. „Hier stehen einfach die richtigen Fragen drin, die man stellen sollte, wenn man auf der Suche nach einer 24-Stunden-Betreuung ist“, so die Geschäftsführerin. Unabhängig davon, für welche Agentur man sich schlussendlich entscheidet.

Absicherung der Betreuungskräfte gefordert

Ebenso verwies Holzinger auf die Notwendigkeit einer Privatrechtsschutzversicherung für die Betreuungskräfte, um ihre Rechte etwa bei Problemen mit Vermittlungsagenturen selbstständig durchsetzen zu können. Auch eine Berufshaftpflichtversicherung steht auf der Wunschliste des Obmanns. Unfälle und Schäden durch Betreuerinnen und Betreuer müssten abgedeckt sein - auch dies könnte die WKO mit der Kammerumlage, die sie von den Betreuungskräften einhebt, abdecken und organisieren. Bisher gibt es diesbezüglich nur eine Empfehlung der Kammer, bedauerte Holzinger.

Finanzielle Hürden

Neben der Qualität beschäftigt viele Familien vor allem die Finanzierung. Laut Sozialministerium können betreuungsbedürftige Personen unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung erhalten. Für zwei selbstständige Betreuungskräfte beträgt diese derzeit maximal 800 Euro pro Monat. Gleichzeitig gilt eine Einkommensgrenze von 2.500 Euro netto monatlich, wobei bestimmte Ausnahmen vorgesehen sind. Grundauer sieht hier politischen Handlungsbedarf. Viele Familien könnten sich die Betreuung zu Hause trotz Förderung kaum leisten. „Oft haben die Eltern ein kleines Paket zusammengespart, das wird aufgebraucht.“ Danach würden sie einen Heimplatz suchen. Dabei sei zu Hause oft der Platz gegeben, und auch die Betroffenen würden sich zu Hause wohler fühlen. Dennoch bleibt die Suche nach einer passenden Lösung oder nach angemessener Betreuung für viele Familien ein Sprung ins Ungewisse.

Von Verena Kriechbaum (Text) | MeinBezirk Steiermark, 27.08.2026