Ein Blick hinter jene Nächte, in denen viele feiern – und manche wachen.
Weihnachten gilt als die ruhigste Zeit des Jahres. Lichter leuchten, Familien kommen zusammen, es duftet nach Gebäck und warmen Punsch. Doch wie sieht die Zeit für jene aus, die arbeiten, während andere feiern – die rund 30.000 Pflegekräfte in Österreich, die an den Feiertagen für Sicherheit und Geborgenheit sorgen?
Während viele Menschen heimkommen, bleiben unsere Pflegekräfte bei ihren Klient:innen. Sie sind da, schenken Aufmerksamkeit und gestalten ein Weihnachtsfest, das sich warm anfühlt, auch wenn nicht die ganze Familie anwesend sein kann. Für sie bedeutet der 24. Dezember oft weniger Feierlichkeit, dafür umso mehr Verantwortung. Und manchmal entstehen genau in diesen Momenten berührende Geschichten.
Jetzt kann Weihnachten beginnen!” – Eine Geschicht aus der Betreuung
Maria K. erzählt:
„Ich betreue seit drei Jahren einen Mann namens Martin. Früher ist er mit seiner Frau immer zur Christmette gegangen – ein Fixpunkt ihres gemeinsamen Lebens. Seine Frau ist vor einigen Jahren verstorben, aber Martin wollte die Tradition weiterführen. Letztes Jahr, als seine Demenz stärker wurde, fand ich ihn an Heiligabend fertig angezogen in der Garderobe sitzen. Sein Hemd war völlig schief geknöpft, den Rucksack hatte er verkehrt überkreuzt am Rücken. Ich half ihm beim Anziehen, und als er etwas verlegen schaute, sagte ich: ‘Das mache ich bei meinem Mann auch – denk dir nichts.’ Da musste er so herzlich lachen, dass wir beide nicht mehr aufhören konnten. Ich hakte mich bei ihm ein und sagte: ‘Jetzt kann Weihnachten beginnen.’“
Ein Moment voller Wärme – und einer von vielen, die zeigen, wie wertvoll persönliche Betreuung gerade an den Feiertagen ist.
Warum Betreuung zuhause gerade an Weihnachten zählt
Rund 30.000 Betreuer:innen sind in Österreich auch an den Feiertagen im Einsatz. Für viele pflegebedürftige Menschen wäre der Heilige Abend ohne sie ein stiller, einsamer Tag. Nicht jede Familie kann anreisen, nicht jeder hat noch Angehörige in der Nähe – doch gerade dann brauchen sie Sicherheit und Zuwendung.
Die 24-Stunden-Betreuung ermöglicht, dass Menschen:
- Weihnachten in vertrauter Umgebung verbringen können
- individuelle Rituale beibehalten
- sich sicher und begleitet fühlen
- nicht alleine sind, wenn Erinnerungen hochkommen
Für Betreuungskräfte bedeutet das auch, eigene Rituale zurückzustellen. Manche erleben diese Zeit jedoch als besonders wertvoll – ein gemeinsames, ruhiges Miteinander, das beiden Seiten guttut.
Wenn Familie anwesend ist – und dennoch Unterstützung braucht
Weihnachten ist für viele Familien ein emotionaler Tag. Auch wenn Angehörige anreisen, braucht es oft weiterhin die Unterstützung einer Betreuungskraft: für die Sicherheit, für medizinische Abläufe, für die Orientierung bei Demenz oder einfach, um pflegende Angehörige zu entlasten.
Doch ein zusätzlicher Mensch im Raum ist gerade anfangs ungewohnt. Die Betreuungskraft ist zwar Teil des Alltags, aber an Weihnachten fühlt es sich für manche wie „ein Fremdkörper“ an und manche Angehörige haben zudem das Gefühl, sie müssten alles selbst schaffen – und nehmen Unterstützung als eigenes Versagen wahr.
So gelingt ein harmonisches Zusammensein – Tipps für Angehörige
- Erwartungen gemeinsam klären
Ein kurzes Gespräch vor dem Festtag hilft: Was braucht die betreute Person? Wie aktiv soll die Betreuungskraft mitfeiern, z. B. beim Essen oder beim Zusammensitzen? Welche Aufgaben übernimmt sie heute – und welche übernimmt die Familie? - Die Betreuungskraft wertschätzend einbinden
Ein freundliches Willkommen, ein Platz am Tisch oder ein gemeinsames Ritual schaffen Zugehörigkeit, ohne zu überfordern. Viele Betreuer:innen fühlen sich wohl, wenn sie willkommen geheißen werden, sich aber trotzdem zurückziehen dürfen. - Die betreute Person im Mittelpunkt behalten
Für Menschen mit Demenz, nach Schlaganfällen oder bei körperlicher Einschränkung kann der Feiertag schnell anstrengend werden. Hier ist die Betreuungskraft eine wertvolle Unterstützung: Sie kennt Ruhezeichen, sorgt für Pausen und hilft, Überforderung zu vermeiden. - Offene Kommunikation – gerade bei sensiblen Momenten
Manchmal entstehen Situationen, in denen Angehörige emotional werden oder die Betreuungskraft eingreifen muss. Ein wertschätzender Umgang und kurze Abstimmungen („Ist es okay, wenn wir jetzt…?“) erleichtern allen den Tag. - Entlastung annehmen dürfen
Viele Angehörige fühlen sich an Weihnachten verpflichtet, „alles selbst schaffen zu müssen“. Doch gerade die Feiertage sind oft herausfordernd. Die Betreuungskraft dazuzuholen heißt nicht, weniger füreinander da zu sein – es ermöglicht, den Tag gemeinsam entspannter und sicherer zu erleben.
Ein stilles Danke
Weihnachten in der Betreuung sieht manchmal anders aus – aber es ist nicht weniger besonders. Es entsteht Nähe, Vertrauen und Menschlichkeit. Wir bedanken uns von Herzen bei all jenen, die auch an den Feiertagen da sind – und wünschen Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche, friedvolle Weihnachtszeit.

